Die augenblickliche Stand von Video- besonders aber TV-Übertragungen über drahtlose, digitale Telefonie und Datennetze (UMTS) ähnelt der Situation Ende der 90er Jahre im Internet. Die Technologie zum “Streamen” von Videoclips, aber auch längerer TV-Produktionen via Internet war schon vor der Jahrtausendwende bereits einsatzbereit - allein die Netze waren es nicht. Fehlende Bandbreite, notorisch ruckelnde Bilder und Tonaussetzer sorgten so in den ersten Jahren für einen äußerst mühsamen Start von Internet-TV.
Was ab der Jahrtausendwende dann DSL in allen seinen Varianten für Video und TV-Dienste im Internet war, wird der beschleunigte UMTS-Standard HSDPA freilich nicht für TV über Mobilfunknetze sein. Hier enden die Analogien. Mit zukünftigen Übertragungsraten von bis zu 3,6 Mbit/s pro Funkzelle ist HSDPA schlicht nicht tauglich für ein breiteres TV-Publikum. Ein Dutzend TV-Benutzer in einer auffrisierten UMTS-Funkzelle reicht auch in Hinkunft, um diese recht schnell zu verstopfen.
Folglich greift man auf das gute alte Broadcasting-Verfahren zurück: TV-Ausstrahlung, nun halt digital, genannt DVB-H. Bandbreite ist für DVB-H nicht wirklich ein Problem, da ja nicht für jeden User ein eigener Stream gesendet wird, weil Broadcasting nun einmal vom Prinzip her eine Ausstrahlung für alle ist.
Das einzige Problem von DVB-H ist vom UMTS-Start nur zu bekannt: noch fehlen die Endgeräte, also Handys mit eingebautem DVB-H-Modul, die Netze selbst werden deutlich früher fertig sein. DVB-H ist ein internationaler Standard, der mit DVB-T nicht nur kompatibel ist, sondern auch einen gemischten Betrieb von DVB-H/T-Multiplexen möglich macht, bei denen sich die Systeme für Handys und Heim-TV einen Kanal teilen.
DVB-H wurde weltweit seit mehr als drei Jahren getestet. Die großen Hersteller wie Nokia, Motorola, BenQ-Siemens, Sony-Ericsson sowie die deutschen Mobilfunknetzbetreiber setzen ausschließlich auf den DVB-H-Standard. im März ist auch Microsoft - spät aber doch - der Allianz beigetreten, Intel ist bereits wesentlich länger dabei.
Samsung, LG und andere verwenden auch andere Systeme wie das koreanische DMB, das japanische ISDB-T oder das amerikanische MediaFlo. Diese vom US-Anbieter Qualcomm entwickelte Technologie wird derzeit von Rupert Murdochs BSkyB getestet, nachdem ein im Herbst 2005 gestarteter UMTS-Pilotversuch mit Vodafone nicht die erwünschten Ergebnisse gebracht hatte. Zur Fußball-WM im Juni wird in Deutschland noch über den in Korea seit mehreren Jahren verwendeten DMB-Standard gesendet.
ZDF, N24, MTV und ein neues Fernsehprogramm sowie zwei Radiosender in den zwölf WM-Städten mobil empfangbar. Die für den Empfang nötigen Handys sollen im Mai auf den Markt kommen. Ob zur Fußball-WM in Deutschland tatsächlich genügend DMB-taugliche, neue Handys zur Verfügung stehen und unter die Kunden gebracht werden können, wird sich erst weisen.
Der wohl experimentierfreudigste UMTS-Netzbetreiber, Hutchison 3G , der bereits eine Vielzahl von Videodiensten anbietet, aber damit derzeit nur einen relativ geringen Prozentanteil seines Gesamtumsatzes macht, setzt mittlerweile auf DVB-H. Diese Technik stelle zur Zeit die weltweit vielversprechendste Möglichkeit der Ausstrahlung von mobilem Fernsehen dar, hieß es kürzlich seitens der Drei-Geschäftsführung bei einer Pressekonferenz.
0 Kommentare zu “Handy Trends für 2006”